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Vom Rohstoff bis zum Regelwerk: Qualität und Nachhaltigkeit im Schlauchlining

Der 6. Bergkamener Linertag der RS Technik AG verband aktuelle Fragen zu nachhaltiger Produktentwicklung, Zulassung, Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung

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Am 10. September 2026 wurde die Marina Rünthe erneut zum Treffpunkt der grabenlosen Sanierungsbranche. Beim 6. Bergkamener Linertag der RS Technik AG standen nicht nur technische Entwicklungen beim Schlauchlining im Mittelpunkt. Die vier Fachvorträge zeigten vielmehr, wie eng Planung, Ausschreibung, Qualitätssicherung, Zulassung und nachhaltige Rohstoffstrategien inzwischen miteinander verbunden sind.

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Dr. Susanne Leddig-Bahls und Christoph Turk, dem neuen Geschäftsleiter der RS Technik AG.

Die Veranstaltung wurde von Christoph Turk, dem neuen Geschäftsleiter der RS Technik AG, und Dr. Susanne Leddig-Bahls, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Grabenlos und technische Geschäftsführerin der IQS Engineering AG, eröffnet. Beide begrüßten die Teilnehmer in der bchristophesonderen Atmosphäre der Marina Rünthe und stimmten auf ein Programm ein, das sich gezielt mit aktuellen Herausforderungen der Kanalsanierung beschäftigte.

Einen roten Faden bildete dabei die Frage, wie Investitionen in die unterirdische Infrastruktur langfristig abgesichert werden können. Die Antworten der Referenten reichten von einer objektspezifischen und baustellentauglichen Planung über nachhaltige Vergabekriterien und kontinuierlich überwachte Produktqualität bis zur Verwendung von Recyclingmaterialien und biobasierten Rohstoffen.

Planung als Grundlage für Qualität und Vertragssicherheit

 

Den fachlichen Auftakt übernahm Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel von VOGEL – BERATUNG. Unter dem Titel „ZTV Schlauchlining aktualisiert – Planung als Basis der Ausschreibung“ erläuterte er die Hintergründe und praktischen Konsequenzen aktualisierter Anforderungen an das Schlauchlining. Ausgangspunkt seines Vortrags waren Erkenntnisse aus der Analyse zahlreicher Einbauprozesse, insbesondere im Bereich der UV-Lichthärtung. Dabei seien in der Praxis wiederholt Abweichungen bei Kalibrierung, Einbaudrücken, Temperaturen, Ziehgeschwindigkeiten und eingesetzten Leuchtmitteln festgestellt worden. Vogel machte deutlich, dass UV-Licht den chemischen Härtungsprozess zwar initiiert, der erfolgreiche Reaktionsverlauf jedoch von den tatsächlichen Randbedingungen und der Einhaltung der Herstellervorgaben abhängt.

Ein zentrales Ergebnis seiner Ausführungen lautete: Die Prüfung der Materialkennwerte allein ersetzt keinen vollständigen Prozessnachweis. Eine Probe kann wichtige Eigenschaften des eingebauten Liners bestätigen. Sie dokumentiert jedoch nicht automatisch, ob der gesamte Härtungsprozess über die komplette Haltung hinweg unter den erforderlichen Bedingungen abgelaufen ist. Diese Betrachtung beschränke sich nicht auf lichthärtende Systeme. Auch bei thermisch härtenden Linern müsse nachgewiesen werden, welche Temperatur tatsächlich an der Außenseite des Liners erreicht werde. Kühlendes Grund- oder Schichtenwasser könne den Härtungsverlauf maßgeblich beeinflussen. Entscheidend seien deshalb eine objektspezifische Festlegung der Härtungsparameter und eine nachvollziehbare Aufzeichnung der Prozessdaten. Solange das einschlägige Regelwerk noch überarbeitet werde, müsse der Vertrag bestehende Lücken schließen, so Vogel. Dazu könnten unter anderem Anforderungen an Wanddicke, Dehnverhalten, SDR-Wert, Reststyrolgehalt und Temperaturaufzeichnung gehören. Als wesentlich bezeichnete er die kontinuierliche Dokumentation der Prozessparameter – idealerweise automatisiert und in maschinenlesbarer Form.

Keine Härtungsart für jeden Anwendungsfall

Vogel warnte zugleich vor pauschalen technischen Vorgaben. Es gebe weder eine Standardlösung für jeden Einbaufall noch eine grundsätzlich zu bevorzugende Härtungsart. Die Auswahl müsse anhand der tatsächlichen Bedingungen im Kanal begründet werden. Bei anstehendem Grundwasserdruck bietet beispielsweise die Warmwasserhärtung Vorteile bei der Risikominimierung. Bei Schichtenwasser seien unter bestimmten Voraussetzungen auch Dampf- oder UV-Härtung möglich. Unterbögen und Tiefpunkte stellen besondere Anforderungen an die Kondensatableitung bei Dampfhärtung, während starke Sohlhöhenunterschiede bei Warmwasserhärtung eine Grenze setzen. Bei komplexen Sonderprofilen und Rohrverläufen mit Bögen ist eine UV-Härtung häufig kritisch. Damit solche Entscheidungen sachgerecht getroffen werden können, müsse die Planung weit über allgemeine Angaben zu Nennweite und Haltungslänge hinausgehen. Die Kernforderung lautete daher: Es braucht eine baustellentaugliche Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung.

Fünf Rollen in einer Verantwortungskette

Für die Qualität eines eingebauten Liners tragen nach Vogels Darstellung fünf Beteiligte Verantwortung: Netzbetreiber, Planer, Bauüberwacher, ausführendes Unternehmen und Produkthersteller. Keine dieser Rollen könne das Ergebnis allein sichern – jede könne es jedoch allein gefährden. Vogel stellte die Bedeutung des gebotenen Leistungswettbewerbs anstelle des verbreiteten Preiswettbewerbs heraus. Wer Qualität fordere, müsse diese eindeutig beschreiben, angemessen vergüten und konsequent überwachen. Etwas anderes als Qualität dürfe ein Netzbetreiber im Blick auf dessen gesetzlichen Verpflichtungen nicht akzeptieren, so Vogel. Seine fünf abschließenden Kernaussagen fassten diesen Ansatz zusammen: Es gibt keine Standardlösung, Planungstiefe minimiert Risiken, Bauüberwachung vermeidet Fehler, Qualität muss vertraglich vereinbart werden und alle Beteiligten tragen zum Ergebnis bei.

 

Nachhaltigkeit als Wertungskriterium bei öffentlichen Vergaben

 

Phil Olbrisch vom Tiefbauamt der Stadt Bochum widmete sich dem Thema „Nachhaltige Ausschreibungs- und Vergabekriterien am Beispiel der Stadt Bochum“. Sein Vortrag zeigte, wie Nachhaltigkeitsziele in den Bereichen Tiefbau und Kanalunterhaltung schrittweise in Ausschreibungen integriert werden können – und an welchen praktischen Hürden erste Ansätze gescheitert sind.

Die Stadt Bochum unterscheidet bei ihrer Betrachtung drei wesentliche Handlungsfelder. Auf der Werkstoffseite geht es unter anderem um die Art des eingesetzten Materials und um Umweltproduktdeklarationen, sogenannten Environmental Product Declarations (EPD). Auf Planungsebene sollen Verfahren hinsichtlich ihrer CO₂-Fußabdrücke, Klimakosten und Monitoring verglichen werden. Die Ausschreibung wiederum soll nachhaltig agierende Unternehmen und ressourcenschonende Angebote stärker fördern.

Bisher entscheidet bei vielen Vergaben vor allem der Angebotspreis. Künftig könnten nach dem vorgestellten Ansatz neben einem Preisanteil von beispielsweise 50 bis 80 Prozent auch Nachhaltigkeitskriterien mit einem Anteil von 20 bis 50 Prozent in die Wertung einfließen. Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, qualitative Nachhaltigkeitsmerkmale so zu quantifizieren, dass sie transparent, nachvollziehbar und vergaberechtlich belastbar bewertet werden können.

Vom Kriterienkatalog zur Angebotswertung

Das zunächst entwickelte Bochumer Ausschreibungstool sollte für jede Baumaßnahme eine flexible Auswahl relevanter Kriterien ermöglichen. Dazu gehörten beispielsweise Logistik und Transportaufwand, Abfallvermeidung, CO₂-Fußabdruck, Qualitätssicherung, Emissionen und Baustelleneinrichtung. Über Paarvergleiche sollten die Kriterien projektspezifisch gewichtet werden. Die eingereichten Unterlagen der Bieter waren anschließend anhand eines einheitlichen Bewertungssystems zu benoten und in Teilbewertungspunkte umzurechnen.

Bemerkenswert offen berichtete Olbrisch über die Grenzen dieses ersten Ansatzes. Die Pilotprojekte hätten nicht zu den erhofften Ergebnissen geführt. Die daraus gewonnene Erkenntnis ist für die weitere Diskussion besonders relevant: Eine ausschließlich projektbezogene Bewertung der Bauausführung greift bei Sanierungsmaßnahmen möglicherweise zu kurz. Häufig liegt der größere Nachhaltigkeitshebel beim eingesetzten Werkstoff und bei den Entscheidungen, die bereits in der Planungsphase getroffen werden. Zudem könne es sinnvoller sein, die Nachhaltigkeitsleistung des gesamten ausführenden Unternehmens zu beurteilen, statt nur einzelne Angaben für eine Baustelle abzufragen.

CO₂ Leiter und Bochumer Vergabekriterien

Als mögliche Alternative stellte Olbrisch die aus den Niederlanden stammende CO₂ Leiter vor. Das System ordnet Unternehmen anhand einheitlicher Kriterien verschiedenen Nachhaltigkeitsstufen zu. Je nach erreichter Stufe kann bei der Angebotswertung ein fiktiver Rabatt berücksichtigt werden. Dadurch erhält nicht zwangsläufig das Unternehmen mit dem nominell niedrigsten Angebotspreis den Zuschlag.

Für die Bochumer Vergabekriterien steht ein möglichst einfacher und unbürokratischer Ansatz im Vordergrund. Bestehende Nachweise sollen genutzt werden, statt für jede Ausschreibung neue Dokumentationspflichten aufzubauen. Denkbar sind abgestufte Bewertungen – vom grundlegenden Nachhaltigkeitsbewusstsein über Zertifizierungen und aktive Maßnahmen zur Emissionsminderung bis hin zu produktbezogenen CO₂-Bilanzen und EPD-Nachweisen.

Der Vortrag machte deutlich, dass nachhaltige Beschaffung kein fertiges Schema ist. Vielmehr handelt es sich um einen Lernprozess, bei dem Praxistests, Korrekturen und die Akzeptanz bei Auftraggebern und Bietern gleichermaßen berücksichtigt werden müssen.

 

DIBt-Zulassung als kontinuierlicher Qualitätsnachweis

 

Mit Andreas Haacker von Siebert+Knipschild rückte anschließend die Produktqualität in den Mittelpunkt. Sein Vortrag „Die Bedeutung der DIBt-Zulassungen in der Kanalsanierung“ beschäftigte sich mit der Frage, wie Normen, Zulassungen, werkseigene Produktionskontrollen und unabhängige Fremdüberwachung ineinandergreifen.

Eine DIBt-Zulassung beziehungsweise die entsprechende allgemeine Bauartgenehmigung ist nach Haackers Darstellung weit mehr als das Ergebnis einer einmaligen Produktprüfung. Sie stellt einen nationalen Verwendbarkeitsnachweis für einen definierten Einsatzbereich dar und betrachtet sowohl die eingesetzten Materialien als auch Produktaufbau, Leistungsmerkmale und Einbauverfahren. Die Zulassungen umfassen die Eignungs- und Erstprüfung durch ein Prüfinstitut, eine laufende werkseigene Produktionskontrolle, eine unabhängige Fremdüberwachung, die Kennzeichnung der Produkte sowie den Übereinstimmungsnachweis beziehungsweise die Zertifizierung.

Für Auftraggeber bedeutet dies nach Haackers Einschätzung vor allem Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit. Produkt, Einbau und Prüfung können eindeutig zugeordnet werden. Gleichzeitig steht eine definierte Basis für Ausschreibung und Qualitätssicherung zur Verfügung.

Erweiterungsbedarf der Produktnorm

Die Norm für die Schlauchliningverfahren, die DIN EN ISO 11296-4, beschreibt wesentliche Produkt-, Einbau- und Prüfanforderungen. Nach Haackers Ausführungen fehlen in der bestehenden normativen Regelung jedoch noch vollständige Konformitätsmechanismen und maßgebliche Verwendbarkeitsnachweise. So werden die Anforderungen an die Abrieb- und Hochdruckspülbeständigkeit in der Norm derzeit nicht beschrieben. Auch Härtungsnachweise der eingesetzten Harzsysteme mittels DSC oder Restmonomerenbestimmung sind nicht berücksichtigt. Die Prüfung des Wandaufbaus, der Laminatdichtheit und der chemischen Beständigkeit ist in den nationalen DIBt-Vorgaben weitreichender als in der ISO-Norm.

Andreas Haacker erläuterte die Unterschiede zwischen der nationalen DIBt-Zulassung und einer Europäischen Technischen Bewertung, kurz ETA. Während die DIBt-Regelung auf den deutschen Anwendungsbereich ausgerichtet ist, ermöglicht eine ETA eine europäische Bewertung und CE-Kennzeichnung. Nationale Anforderungen an Planung, Einbau und Anwendung werden dadurch jedoch nicht automatisch vollständig ersetzt. Problematisch ist zudem, dass bei Bestehen einer ETA, eine nationale Zulassung nicht mehr möglich ist.

Mittelfristig ist eine normative Harmonisierung zu erwarten. Die DIN EN ISO 11296-4 wird durch die ISO 11300-2 ersetzt und soll zukünftig in der Überarbeitung um bestehende Lücken erweitert werden. Eine Konformitätsbewertung soll über die DIN CEN ISO/TS 23818-2 ermöglicht werden. Bis vollständige europäische Bewertungs- und Konformitätsverfahren verfügbar sind, bleibt die DIBt-Zulassung nach Haackers Einschätzung ein zentraler Qualitäts- und Verwendbarkeitsnachweis für nicht abschließend harmonisierte Bereiche. Der deutliche Mehrwert der nationalen Zulassungen ist essenziell für den hohen Qualitätsstandard in Deutschland.

 

Nachhaltige Rohstoffe und längere Nutzungsdauer

 

Den Abschluss des Fachprogramms bildete Bastian Meermann von IQS Engineering mit seinem Vortrag „Nachhaltige Rohstoffe und Zukunftsstrategien“. Er spannte den Bogen vom grundsätzlichen Umweltvorteil grabenloser Verfahren bis zu konkreten Entwicklungsmöglichkeiten bei Nadelfilzlinern und Epoxidharzsystemen.

Ausgangspunkt ist der weiterhin hohe Sanierungsbedarf alternder Kanalnetze. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an CO₂-Reduktion, Ressourceneffizienz, Energieverbrauch, Kreislaufwirtschaft sowie Umwelt- und Arbeitsschutz. Grabenlose Verfahren bringen hier bereits systembedingt Vorteile mit sich: Tiefbauarbeiten, Bodenaushub und Entsorgungsmengen werden reduziert, Bauzeiten und Verkehrsbeeinträchtigungen verkürzt sowie Lärm-, Staub- und CO₂-Emissionen verringert.

Nach den im Vortrag vorgestellten Zahlen werden rund 75 Prozent der Instandsetzungsmaßnahmen im Kanalbereich bereits grabenlos durchgeführt. Neben dem Verzicht auf offene Baugruben ist jedoch auch die erreichte Nutzungsdauer entscheidend für die ökologische Gesamtbewertung.

Während punktuelle Reparaturen mit einer deutlich kürzeren Nutzungsdauer angesetzt werden, sind Renovierungsverfahren wie das vor Ort härtende Schlauchlining auf mindestens 50 Jahre ausgelegt. Untersuchungen an älteren Linern deuteten nach Meermanns Ausführungen darauf hin, dass unter geeigneten Bedingungen auch darüberhinausgehende Nutzungsdauern möglich sein können. Voraussetzung sind jedoch eine sachgerechte Planung und Ausschreibung, geeignete Materialien und Verfahren, eine kontrollierte Härtung und eine hohe Ausführungsqualität. Hochwertige Materialien müssen mit Prozesssicherheit vereint werden, um hohe Lebensdauern zu erzielen.

Recyclingfasern und biobasierte Komponenten

Besonders großes Potenzial zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks sieht Meermann bei der Auswahl der Rohstoffe. In den Nadelfilzlinern der RS Technik AG werden laut Vortrag bereits bis zu 90 Prozent PET-Regeneratfasern eingesetzt. Gegenüber primären PET-Fasern könne das CO₂-Äquivalent des Fasermaterials dadurch um bis zu 80 Prozent reduziert werden.

Auch bei den Epoxidharzsystemen bestehen Optimierungsmöglichkeiten zugunsten der Umwelt- und Ressourcenschonung. Beim RS CityLiner®-System kommt in der Harzkomponente MaxPox 15 bereits ein 20 Prozent Anteil biobasierten Rohstoffs zum Einsatz. Technisch seien höhere biobasierte Anteile in Harz- und Härterkomponenten möglich, wodurch sich der produktbezogene CO₂-Fußabdruck weiter senken lasse.

Für das RS MaxLiner®-System wurde mit MaxPox Eco ein Epoxidharzsystem vorgestellt, bei dem durch Rohstoffauswahl und Optimierung der Herstellung bereits eine Reduzierung des CO₂-Äquivalents um 10 Prozent erreicht wurde. Für zukünftige Rezepturen seien teilweise biobasierte Anteile von mehr als 60 Prozent technisch denkbar. Das daraus resultierende CO2-Einsparpotenzial bezifferte Meermann – abhängig von der konkreten Rezeptur – auf bis zu 19 Prozent.

Ein weiterer Schwerpunkt war der nachhaltige Arbeitsschutz. MaxPox Eco wurde als SVHC-freies Epoxidharzsystem vorgestellt, das ohne besonders besorgniserregende Stoffe auskommt. In Verbindung mit der nachgewiesenen Hinterwanderungsfreiheit könne das System unter geeigneten Bedingungen ohne Preliner (Außenfolie) eingebaut und wasserdicht an das Altrohr angebunden werden. Dadurch lassen sich Materialeinsatz und Arbeitsschritte weiter reduzieren sowie Nutzungsdauern verlängern.

Meermanns Fazit lautete: Nachhaltigkeit beginnt dort, wo Unternehmen selbst konkrete Veränderungen umsetzen. Recyclingmaterialien, biobasierte Rohstoffe, energieeffiziente Produktionsprozesse und regenerative Energien bieten bereits heute Ansatzpunkte. Gleichzeitig müsse berücksichtigt werden, dass biobasierte Komponenten teilweise noch deutlich teurer seien und ihre breitere Marktdurchdringung deshalb auch von der weiteren Preis- und Verfügbarkeitsentwicklung abhänge.

Gruppenfoto der Speaker auf dem Linertag

 

Vier Vorträge – eine gemeinsame Verantwortung

 

Die vier Fachbeiträge des 6. Bergkamener Linertages betrachteten unterschiedliche Abschnitte derselben Wertschöpfungs- und Verantwortungskette.

Markus Vogel stellte die objektspezifische Planung, Prozesskontrolle und vertraglich definierte Qualität in den Mittelpunkt. Phil Olbrisch zeigte, wie Nachhaltigkeit künftig stärker in Ausschreibung und Vergabe berücksichtigt werden kann. Andreas Haacker erläuterte, warum Zulassung, Produktionskontrolle und Fremdüberwachung für ein dauerhaft gleichbleibendes Qualitätsniveau entscheidend sind. Bastian Meermann richtete den Blick schließlich auf Nutzungsdauer, Recyclinganteile, biobasierte Rohstoffe und emissionsärmere Produktsysteme.

Die gemeinsame Botschaft: Nachhaltige Kanalsanierung entsteht nicht durch eine einzelne Produkteigenschaft und auch nicht durch ein einzelnes Vergabekriterium. Sie ist das Ergebnis einer durchgängigen Kette – von der Bestandsaufnahme und Planung über die Auswahl des Sanierungsverfahrens und die kontrollierte Produktherstellung bis zum überwachten Einbau und zur vollständigen Dokumentation.

Technik zum Anfassen

Dass die auf dem Linertag diskutierten Qualitätsanforderungen nicht allein in der Theorie bestehen, zeigten die Live-Vorführungen von Pipetronics und JT-elektronik. Direkt auf dem Veranstaltungsgelände konnten die Besucher moderne Roboter- und Inspektionstechnik im praktischen Einsatz erleben und sich mit den Anwendungsspezialisten über Handhabung, Einsatzmöglichkeiten und Erfahrungen aus dem Baustellenalltag austauschen.

Die IQS Engineering AG zeigte ein Installationsmuster ihres Testkonzepts zum Nachweis der hinterwanderungsfreien Anbindung. Die Ziele sind die sichere Vermeidung von Fremdwassereintritt und Abwasseraustritt. Gerade bei Rohrdimensionen <DN150 und bei Installationen mit offenem Linerende sind Anbindungstechniken beispielsweise über Hutprofile oder Roboterverfahren nicht immer technisch umsetzbar. Hier bringt die Möglichkeit einer hinterwanderungsfreien Anbindung über das eingesetzte Epoxidharzsystem Betriebssicherheit und Lebensdauer.

Gemeinsamer Abend mit Blick auf die Marina

Nach dem konzentrierten Fachprogramm und einem anschaulichen Blick in die praktische Kanalsanierung bot die Marina Rünthe den passenden Rahmen für den persönlichen Austausch. Beim anschließenden Fest am Abend wurden die Diskussionen in entspannter Atmosphäre weitergeführt. Damit verband der 6. Bergkamener Linertag erneut fachliche Tiefe mit dem persönlichen Dialog, der für die Weiterentwicklung der grabenlosen Sanierungsbranche unverzichtbar ist.

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